Freitag, 14. Februar 2020

Von jedem Buch auf dieser Welt ein Exemplar


Der Büchersammler zwischen Wissensdurst und Buchmeterhunger.


Wahn, Eitelkeit, Halbbildung. Der Vorwurf an den Büchernarren ist einfach: Er hat Unmengen an Büchern, aber er liest sie nicht und versteht sie nicht. Wer Bücher sammelt, wehrt sich auch 500 Jahre später gegen dieselben Vorurteile und Vorwürfe.

Haben Sie die alle gelesen?“

Es ist die häufigste Frage, wenn Besucher meiner Bibliothek die Regale bestaunen, in denen die Bücher in der Regel zwei-, im besten Fall dreireihig stehen. Natürlich habe ich von den 35.000 Büchern nicht alle gelesen — aber wie vertreibt man die Kälte, die sich kurz über das Gespräch gelegt hat, weil der Fragende meist just selbst bemerkt hat, wie — mit Verlaub — tumb seine Frage war. In den ersten Jahren antwortete ich noch mit „Die meisten zweimal“‚ und das Eis war gebrochen. Als sich aber einmal ein Gast anschickte, mir diese dreiste Flunkerei zu glauben, gab ich auf. Jetzt antworte ich im Brustton der Überzeugung: „Ich habe sie alle geschrieben.“

Bildungsbürgerlich verankert

Die Frage kenne nicht nur ich; jeder Büchersammler muss Ähnliches beantworten. Wer beruflich mit Büchern zu tun hat, trägt ein größeres Risiko, auch privat dem Buch zu verfallen. Lektoren und andere Mitarbeiterinnen in den Verlagen, Buchhändlerinnen und Bibliothekare. Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen, vielleicht Politiker und Journalisten. Es ist mit Ausnahmen schon eine recht bildungsbürgerliche Gesellschaft, die ihre Freizeit damit verbringt, Bücher aufzuspüren und der eigenen Bibliothek einzuverleiben; nicht ohne vorher die Neuzugänge angesehen und zugeordnet zu haben. Die meisten würden von sich nicht als Büchersammler sprechen aus Angst, es könne tatsächlich jemand glauben, sie interessierten sich nur für den Gegenstand und nicht für den Inhalt. „Bibliophil“ – „Bücher liebend“ – klingt da großzügiger und gelehrter. Bücherehre klingt noch respektvoller.
Buchaffin kann man sein, eine Nähe zum Buch verspürend, sich zu Büchern und Bibliotheken hingezogen fühlen, das passt auch noch. Büchersammler nennt man sich erst, wenn man das als Arbeit am kulturellen Gedächtnis, an der Förderung von Meinungsfreiheit und Pluralismus oder mit sonst einem überzeugenden gesellschaftspolitischem Vorhaben verklären kann.
Man könnte auch pathologisch an die Leidenschaft des Büchersammelns herangehen und von Bibliomanie sprechen. Der Bibliomane nimmt alle Bücher mit, derer er habhaft werden kann, ohne sich finanziell zu ruinieren (und manchmal auch das). Es ist – zumindest beim Großteil der Büchersammler – nicht sinnentleertes Aneinanderstellen von Publikationen, um bald einen weiteren Regalmeter mit Büchern gefüllt zu haben. Der Sammler ist in der Lage, auch entfernteste Themengebiete interessant zu finden. Einer der ersten berühmten Bibliomanen ist der Engländer Sir Thomas Phillipps (1792—1872). Er bezeichnete sich selbst als biblioman und konnte im Laufe seines Lebens 60.000 Manuskripte zusammentragen.

Braunschweigs gesammelte Bücher
Es lässt sich nicht übers Büchersammeln schreiben, ohne Braunschweig gleich mehrfach
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel in seiner Bibliothek, Braunschweig, Leonhardtstraße.
Gerd Biegel et alii.
einen Besuch abzustatten. Mit Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel regierte das Herzogtum einer der eifrigsten und begeisterten Büchersammler, den die deutsche Regentengeschichte kennt. Seine Büchersammlung bildet den Grundstock für die Herzog-August-Bibliothek, die im ln- und Ausland als eine der ältesten unversehrt erhaltenen Bibliotheken der Welt angesehen ist. Gottfried Wilhelm Leibniz hat diese Bibliothek von 1691—1716 geleitet, im gleichen Amt finden wir von 1770—1781 Gotthold Ephraim Lessing.
Der Blick braucht gar nicht weit zurückzugehen. Eine Kulturgeschichte des Büchersammelns der letzten 50 Jahre in Deutschland würde ohne zwei Namen nicht auskommen, die mit Stadt und Land Braunschweig eng verbunden sind. Und dabei stehen Paul Raabe (1927—2013) und Gerd Biegel, will man sie zwischen Bücherehre und Bibliomanie verorten, denkbar weit voneinander entfernt. Hier der Direktor der Herzog-August-Bibliothek, „als leidenschaftlicher Bibliothekar, anerkannter Forscher und Publizist sowie als erfolgreicher Kulturmanager“ mit der Leibniz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für das Lebenswerk ausgezeichnet, der die Bücher schätzte und ehrte. Verfallen war er ihnen nicht, sie schienen zuweilen eine Bürde: „Allerdings habe ich durchaus auch die Schwierigkeit in meinem Leben erfahren, was es bedeutet, als Bibliothekar zu sammeln und privat noch Bücher anzuschaffen.“
Auf der anderen Seite Gerd Biegel, Gründer des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte, der bei allem Alltagsgeschäft das Träumen nicht aufgegeben hat.
Seinen Traum träumen viele Büchersammler und Sir Thomas Phillipps hat den Traum im 19. Jahrhundert in Worte gekleidet: Von jedem jemals erschienenen Buch je ein Exemplar in die eigene Bibliothek stellen zu können. Dass das unmöglich ist, weiß natürlich auch Gerd Biegel. Aber so nah wie er ist noch niemand an das Luftschloss herangekommen: Mit seinen 230.000 Büchern besitzt er die größte Privatbibliothek Norddeutschlands. Die Zahl ist wohlgemerkt geschätzt. Aber Zweifler lädt der Braunschweiger Bibliomane herzlich zum Nachzählen in seine Bibliothek ein.

Dr. Ulrich Brömmling.
Germanist, Scandinavist in Braunschweig.
Ausriss aus Vier Viertel Kult, SBK
Herbst 2019

Ende.

Freitag, 7. Februar 2020

Lesemedium: digital oder analog?


Die private Reddam-House-Schule im australischen Ort Woollahra (bei Sydney) 
hat sich 2019 GEGEN den allgemeinen Trend entschieden, und wird die genutzten iPads gegenüber gedruckten Schulbüchern zurückstellen. 
Diese Entscheidung ruht auf den Erfahrungen der letzte fünf Jahre, in denen die Klassen 11 und 12 beides angeboten bekommen hatten. Die Präferenz der Schüler lag schließlich bei den Druckausgaben.

Als Vorteile wurden die bessere Orientierung im Text und die bessere Aufnahmefähigkeit der Textinhalte genannt. Im Umkehrschluss hätten die iPads mit auftauchenden Mitteilungen die Konzentration gestört und boten mehr Möglichkeiten, still und heimlich (geräuschloses und kein offensichtliches Umblättern) vom Thema abzukommen.

Inwieweit sich dieses schwarz-weiß Denken pro Schule durchsetzt, oder ob womöglich neuartige Lesemedien wie biegsame Folien mit digitalem Inhalt das Lernen in der Schule verändern, bleibt also auch zehn Jahre nach Erfindung des iPads noch offen…

ENDE.

Donnerstag, 23. Januar 2020

Raabe ist entstaubt – wie Wissenschaft und Literatur Wilhelm Raabe neu entdecken.


Raabe und heute: Umweltzerstörung, Kolonialismus, Umgang mit Fremden

erstaunlich viele der Themen, die uns derzeit umtreiben, finden sich bereits bei Wilhelm Raabe (1831—1910). Der Band versammelt Beiträge bedeutender Autorinnen und Autoren aus Gegenwartsliteratur und aktueller Literaturwissenschaft, die das Werk des großen realistischen Erzählers neu erkunden und in seiner Aktualität zugänglich machen. Sie zeigen, wie anregend und bereichernd es sein kann, sich auf die Eigentümlichkeiten und Komplexitäten von Texten wie Abu Telfan, Pfisters Mühle, Die Akten des Vogelsangs oder das unvollendete Altershausen einzulassen.

Buchempfehlung "Raabe und heute".
Empfehlung: Raabe und heute.
Hubert Winkels Vorwort Seite 9
Moritz Baßler Einleitung Wilhelm Raabes bürgerliche Radikalität. Seite 21


Vom Anfangen


Gustav Seibt: Wovon redet der Mann? Seite 33


Beziehungsweisen


Felicitas Hoppe: Du aber! Leser der kurzen Nacht! Zu Abu Telfan. Seite 45
Sabine Peters: Ein Austausch über Wilhelm Raabe. Seite 61
Andreas Maier: Raabe: Mein Agent der Rückabwicklung. Seite 71
Clemens J. Seitz: Rabe will Helm. Seite 83


Kapitalismus/Kolonialismus


Christoph Zeller: Raabe als Kapitalismuskritiker. Seite 87
Dirk Göttsche: Kolonialismus und Globalisierung. Seite 101
Katrin Hillgruber: Südamerikanische Querulanten oder „Donnerwetter, dieses Brasilien!“ Seite 123
Eva Eßlinger: Migranten in Bumsdorf. Zu Abu Telfan. Seite 139


Dickes Erzählen


Ingeborg Harms: Der dicke Erzähler. Seite 173
Jochen Hörisch: Zu Gericht sitzen. Zu Stopfkuchen. Seite 191
Eva Geulen: Der Attrappenonkel in seinem Element. Zu Fabian und Sebastian. Seite 211
Marion Poschmann: Baum, Wald‚ Wildnis. Die Zaubermittel in Raabes Novelle Else von der Tanne. Seite 127


Buch Höhle Krieg


Zu Das Odfeld
Vanessa Höving: Inkorporation und Analität. Seite 241
Matthias Göritz: Die Felder der Zukunft. Seite 265


Leere/Labyrinthe


Matthias Zschokke: Vom Mondgebirge. Zu Abu Telfan. Seite 295
Thomas Hettche: Realismus. Seite 309
Katja Lange-Müller: Ein Windsack von einem Weltüberwinder. Zu Die Akten des Vogelsang. Seite 317
Christof Hamann, Oliver Ruf: Kommunikation mit einem Toten. Zu Wilhelm Raabe und Katja Lange-Müller. Seite 323
Wilhelm Raabe: Denke daran! Seite 348



Vom Enden

Brigitte Kronauer: Abbruch des Spiels. Zu Ich und Altershausen. Seite 351
Die Beiträger. Seite 369



Die Herausgeber

Moritz Bassler ist als Professor an der Universität Münster zuständig für Neuere deutsche Literatur von poetischem Realismus bis Pop.
Hubert Winkels ist Kulturjournalist und Leiter der Literaturredaktion beim Deutschlandfunk. Er ist Sprecher der Jurys des Ingeborg Bachmann Preises und des Wilhelm Raabe Literaturpreises in Braunschweig.
Wallstein Verlag, Göttingen 2019.
378 Seiten. 30 EUR.

Ende.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Ehrenmitglied des HKV


Ein ehrenvoller Rahmen mit würdigem Inhalt.


Anlässlich des 20ig jährigen Jubiläums zum Bestehen des „Museum Raabe-Haus“ in Eschershausen, hat der Vorstand des Heimat- und Kulturvereins Herrn Professor Dr. h.c. Gerd Biegel als Ehrenmitglied berufen. 
Nicht nur, dass Professor Biegel und Frau Dr. Klein das Museumskonzept vom Braunschweiger Landesmuseum erstellt und aufgebaut haben, sondern auch unermüdliches Reisen in „das Land hinter dem Tunnel“ und die lehrreichen Vorträge waren Grund genug, für diese seltene Ehre.

Die Ehrenurkunde geht an Prof. Biegel durch Ralph Meyer.
Vorstand Ralph Meyer überreicht die Urkunde.
Foto: Jürgen Bommer, Nov.2019.

Die Achtung und Wertschätzung der Kultur, der hier im ländlichen Raum lebenden, hat durch diese Arbeit und Berichterstattung darüber gewiss zugenommen - und dürfte ruhig noch etwas zunehmen. Weiter so!

Ende.

Donnerstag, 9. Januar 2020

Mit allen Sinnen gelesen?


Im Normalfall ist nicht allein das Auge an Prozessen der Informationsaufnahme beteiligt, sondern der ganze Körper.

Mit allen räumlichen und körperlichen Sinnen wird beim Lesen memoriert – wir nehmen es nur nicht so dezidiert wahr. Eigentlich kann dies keine so grundstürzende Erkenntnis sein, da ja alles mit allem zusammenhängt, jedenfalls hat die Wissenschaft unter dem englischen Begriff „Embodied Cognition“ einen Fachbegriff dafür.
So ist der entspannte Körper am Strand, im Sofa, im Bett immer dabei, Signale von außen und vom zu Lesenden zu verknüpfen und zu erinnern. 130 Leseforscher aus ganz Europa haben in der „Stavanger Erklärung“ dazu geschrieben, dass es einen Unterschied in Lesen und Behalten gibt, ob wir digital am Bildschirm oder analog im Papier lesen.

Schon das Gewicht des Mediums ist ein Faktor (oder ganz modern gesagt, ein „Datenpunkt“), die Glätte der Oberfläche, die Laufrichtung der Augen (eine Bildschirmseite, Buchdoppelseiten), die zeitliche Tastinformation, wenn der linke Buchdeckel langsam an Dicke zunimmt, Geruch von Farblösungsmitteln, Geräusche von Lüftern, einlaufenden System- Appnachrichten oder die Bequemlichkeit des restlichen Körpers, die durch Umblättern oder schiefer Lage immer wieder verändert wird – all dies wird zum (!) Gelesenen mitgespeichert.

Das digitale Lesen hinterlässt nach Ansicht der Forscher also klar weniger Erinnerungen, die mit dem Text verbunden werden. 
Das Lesen von Digitalem im Vergleich zum Lesen von Gedrucktem wäre wie das Gehen mit verbundenen, anstatt offenen Augen. Für den sprechenden Fußgänger mit verbundenen Augen erfolgt die Verarbeitung und Erinnerung auf seinem Weg ausschließlich über die inneren Augen, rein mental ohne bildliche Unterstützung. Der Sehende wird das Gesprochene mit z. B. Gartenzäunen, Hausfassaden, Zebrastreifen verbinden. Alle diese Anker hinterlassen eine Spur im Gedächtnis – je weniger Anker, desto weniger Abbildung, die erinnert werden könnten. Somit ist digitales Lesen abstrakter.

Womit / worin ich lese, macht also etwas mit unserer Erinnerung und, in seiner Gesamtheit viel weiter gedacht, auch mit unserer Wertschätzung von jedem Einzelnen, was wir je gelesen haben. Nach dieser tiefschürfenden Erkenntnis bleibt nur noch die Frage zu klären: cui bono?
Ende.

Montag, 30. Dezember 2019

Der große Sohl - Faszination durch Originalität

Nicht jedem ist bewusst, dass die höchste Stelle des Hilsgebirges "Bloße Zelle" genannt wird.

Sie ist durch einen Messpunkt und Hinweisstein erkennbar. 
Messpunkt und Hinweisstein auf die Bloße Zelle im Hils.
Wilhelm Schütte steht auf dem
offiziellen Messpunkt.
Vorne der Hinweisstein. ML 2018



Der Raabeturm. ML 2018






















Rund 100 Meter entfernt gibt es die Möglichkeit über die maximale Steinhöhe hinauszuklettern: der "Große Sohl" mit altehrwürdigem eisernen Aussichtsturm.


Ausblick auf die Ithwiesen mit Flugplatz.
Der Ausblick entschädigt
die furchtlosen Kletterer. ML
Zum Anlass der hundertsten Sohlfahrt wurde der bekannte Turm als Signet für zwei Gedenkstücke verwendet: als Gedenkmünze und als Trinkglas. Beides steuerte die Glashütte Grünenplan (Firma Barberini) bei.

Gedenkmünze. Handwerklich
veredelt von Wilhelm Schütte. ML
Ein hübsches Angedenken an den Hils.
Glühweinbecher als Andenken. ML

Falls Sie den großen Sohl noch nicht kennen, hier eine Einstimmung mit fliegender Kamera.

Ende.

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Sohlfahrt die Hundertste


Die nunmehr 100-jährige Tradition der Hannoverschen „Sohlbrüder“


fand mit einer Rekordbeteiligung der Bevölkerung eine wahrhaft würdige Resonanz.

Um 11 Uhr fanden sich die ersten Besucher ein. Wärmefeuer.
Traditionsfeuer um 11 Uhr.


Ehemaliger KWG Schüler und heutiger Ministerpräsident.
Prominenter Turmredner: Stephan Weil.














Die intensiven Vorbereitungen (Herrichten und Renovieren der Außenanlagen, Einladung mit farbiger Designbroschüre, Musikzug Grünenplan, Rockband Einbeck, Holzbeschau und geselliges Beisammensein (Raabefeier) im Eschershäuser MGH, Raabemuseum, Fahrservice, Glas-Gedenkbecher und -münzen) und der „Stargast“ Ministerpräsident Stephan Weil brachten den erhofften Erfolg.
Gruppenbild an historischer Stätte am Großen Sohl.
Funktionsträger u.a. Bode, Weil,
Senftleben, Willuda.

Weil konnte als Turmredner gewonnen werden, da er bereits vor 43 Jahren als Schüler des KWG (ehemaliges Kaiser-Wilhelm-Gymnasium) an einer Sohlfahrt teilnahm. In seiner mit Raabezitaten klug durchsetzten Rede, forderte Weil unter anderem eine Wiederaufnahme der Sohlfahrten durch das KWG. Derzeit beteiligt sich nur die Ehemaligen-Vereinigung.
Rechts im Bild die Heavy Metal Band "Green Machine".
Volksfestgröße.



Ausblick aus 400 Meter Höhe.
+8°C, wenig Wind, neblig-feucht.
Soviel Publikum war noch nie in 100 Jahren.
Gruppengespräche und zum 100x Netze weben ...
Die Organisation wurde vor Ort vom HVV (Vorsitzender Hans-Joachim Bode) gestaltet. Musik gab es von der Feuerwehr Grünenplan (unter anderem „Hoch im Hils“ und „Weserbogenlied“). Nach Abschluss der Reden wurde – ungewohnt – lauter Heavy Metal von der Rockband „Green Machine“ dargeboten (unter anderem auch wieder mit „Hoch im Hils“).







Neben anderen bekannten Teilnehmer waren auch drei Landtagsabgeordnete Sabine Tippelt, Volker Senftleben, Hermann Grupe (zugleich auch Eschershäuser Bürgermeister), dazu der Delligser Bürgermeister Stephan Willudda und der Grünenplaner Bürgermeister Markus Oppermann vor Ort.

Erfreut über eine gelungene Feier geht es nach Hause.
Abstieg zum Roten Fuchs.
Der Dolomitstein mit Relief wird immer als Gedenkstelle benutzt. Kranzniederlegung.
Bekränzter Gedenkstein.

Der Tägliche Anzeiger Holzminden vom 23.12.2019 machte die Titelseite mit Foto auf und brachte dann noch einen ganzseitigen Artikel im Lokalteil – mehr Aufmerksamkeit für eine totgesagte Veranstaltung geht nicht.

Ende.

Fotos: Christian Kaese.

Donnerstag, 19. Dezember 2019

WER sind die Niedersachsen?


Saxones


"Wir sind die Niedersachsen, Sturmfest und erdverwachsen, Heil Herzog Widukinds Stamm!"
Schöner Titel der Landesaustellung: SAXONES.
So schallt der Refrain der inoffiziellen Hymne, des Niedersachsenliedes, seit der Gründung des Bundeslandes Niedersachsen im November 1946 durch das Land. Mit Herzog Widukinds Stamm gemeint sind die damaligen Bewohner unseres Landes, die Karl der Große im 8. Jahrhundert Saxones, also Sachsen, nannte und seiner Herrschaft unterwarf.
Die heutigen Niedersachsen sind demnach die Nachfahren ebendieser Sachsen, die laut Niedersachsenlied als Volksgruppe oder Stamm schon in der berühmten Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. gegen die Römer ins Feld zogen. Und heroisch den römischen Adler nieder in den Sand warfen. Eine schöne Geschichte — aber auch nicht mehr.

Die historische Realität sah anders aus, wie die Niedersächsische Landesausstellung 2019 SAXONES. Das erste Jahrtausend in Niedersachsen unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Stephan Weil einer breiten Öffentlichkeit erklärt.
Landesmuseum Hannover 5.4. bis 18.8.2019
Braunschweigisches Landesmuseum: 22.9.2019 bis 2.2.2020.
Beide Landesmuseen arbeiten zusammen. 2019, 2020.
Zwei Landesmuseen Hand in Hand.
Am Beispiel der Sachsen zeigt sich, dass Völker äußerst komplexe und instabile Gebilde sind. Identität entstand – wie so oft – in der Abgrenzung nach außen.

Desirée Hennecke.
Textausriss: Vier Viertel Kult, Herbst 2019

Ende.

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Warnung vor dem Weihnachtsgrün


Wir schreiben das Jahr 1815 und in damaligen braunschweigischen Landen waren die Forstleute recht sensibel, was ihre Liegenschaften betraf – hier die ganze Geschichte:


Verordnungs-Sammlung.
Nro. 19.
Braunschweig, den 21. December 1815.

(21.) Fürstl. Geheimraths-Collegii Bekanntmachung vom 21ten December 1815, das Verbot des Verkaufs der Spitzen und Kronen von den Nadelholz-Bäumen betreffend.

Wenn gleich der Verkauf der gewöhnlichen Nebenzweige von Tannen- und andern Nadelholz-Bäumen, Behuf der Weihnachtsgeschenke für Kinder, insofern die Verkäufer auf eine rechtmäßige Art zu deren Besitze gelangt sind, fernerweit gestattet bleiben mag, so kann jedoch in Betracht des dadurch den Forsten entstehenden unwiederbringlichen Nachtheils das Einbringen, Ausstellen und Umhertragen zum Verkauf der Hauptmitteltriebe oder der sogenannten Spitzen und Kronen auf keine Weise geduldet werden. Sämmtliche Obrigkeiten haben daher hierauf mit aller Aufmerksamkeit zu halten, und demjenigen, welche dergleichen Kronen umherzutragen, auszustellen oder sonst in Verkehr zu bringen sich unterfangen würden, selbige sofort abnehmen zu lassen und die Person selbst, dem Befinden nach, den Gerichten zur Untersuchung und Bestrafung zur Anzeige zu bringen.

Braunschweig, den 11ten. December 1815.

Fürstlich Braunschweig-Lüneburgisches
Geheimraths-Collegium.
Graf v. d. Schulenburg.
v. Schmidt-Phiseldeck.
v. Schleinitz.

Brauchtum = Arbeit = Freude an der Heimat.
2017 mit obrigkeitlicher Genehmigung :)
Ende.

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Wilhelm Raabe Turm im Harz


Wilhelm Raabe hat – zumindest für den heutigen Automobil verwöhnten Menschen – sehr ordentliche Wegstrecken zu Fuß zurückgelegt. Nicht nur die häufigen Wege von Wolfenbüttel zum Theater in Braunschweig, sondern auch die ausgiebigen Wanderungen im Harz sind starke Leistungen. Dass er die dort gemachten Beobachtungen und Erfahrungen auch in seinen Romanen hinterließ, machte ihn zu einem frühen Beförderer der Wanderlust im Harz.

Am 8. August 1886 gründete sich der Harzklub in Seesen zur Pflege des Harzer Brauchtums und der Wanderwege. Bereits vom 22. März bis 2. September des Jahres wurde in Blankenburg die „Kaiserwarte“ errichtet: ein gut 20 Meter hoher Turm mit bestem Ausblick von gut 400 Meter Höhe über Blankenburg.
Raabe Warte in 400 Metern Höhe über Blankenburg.
Wilhelm-Raabe-Warte in 400 m Höhe. ML 2019.
Aussicht ins Harzvorland. ML 2019.
Windmüller haben sich im Harzvorland niedergelassen.
Gerade so erkennbar die Windmühlen. ML 2019

Wegweiser noch mit Hand geschrieben.
Schild aus früherer Zeit. ML 2019.
Rote Ränder = Wegweiser des Harzklubs.
Modern gestalteter Wegweiser. ML 2019.

Lange nachdem der Kaiser bereits Geschichte war, im Jahre 1950, gedachte man Wilhelm Raabes bekannten Schriften und widmete ihm den Turm. Seither trägt er den Namen Wilhelm-Raabe-Warte.

Leider ist er nur an einem Tag im Jahr zugänglich, auch bröckelt bereits wieder die Substanz, obwohl er von 1989 bis 1996 restauriert und zum Gedenken an Raabe als "Harz-Dichter" wieder eröffnet wurde. Zum Glück befinden sich Funksendeanlagen in ihm, sodass er wohl auch in Zukunft erhalten wird. Die äußeren Stützmauern sind zumindest in einem leidlichen Zustand. 
Ein sehenswertes Graffiti am ehemaligen Betriebsferienheim.
Betriebsferienheim Wilhelm Raabe Warte. ML 2019.
Das dort oben zu DDR Zeiten eingerichtete Betriebsferienheim dämmert jedenfalls einer ungewissen Zukunft entgegen.

Ende.

Sonntag, 1. Dezember 2019

Wer hat das schon? 100 Jahre Jubiläum!


Einhundertste Sohlfahrt am 22. Dezember 2019


Diese Wanderung zum Großen Sohl ist 1904 auf Initiative des Lehrers Dr. Hans Freytag entstanden und konnte im Lauf der Zeit 99 Mal am Sonntag vor Heiligabend durchgeführt werden.

Für viele ist sie eine Gelegenheit, sich mit Ehemaligen oder Freunden wiederzutreffen, eine kleine Wanderung über den Kammweg am Ith zu machen oder sich in gemütlicher Runde auszutauschen. Der Dialog zwischen Ehemaligen verschiedenster Generationen bis hin zu den aktiven Schülern ist im Verlauf der vergangenen Jahre im Rahmen dieser Veranstaltung zu einem wichtigen Bestandteil geworden.


Informationsbroschüre zur 100. Sohlfahrt im Hils.
Informationsbroschüre. B., L. Hilmer.
Organisation
Barbara Hilmer, Prof. Dr. Joachim Erdmann, Luisa Hilmer, Dr. Eckhard Nöldeke, Prof. Dr. Wolfgang Burchert, Dr. Uwe Rademacher, Stephan Eberhardt, KarI-Heinrich Waack.
Anmeldungen werden bis zum 07.12.2019 erbeten unter sohlfahrt@gmx.de oder per Post an Barbara Hilmer, Großer Hillen 36, 30559 Hannover.

Spenden

für die Organisation der Veranstaltung an: Stephan Eberhardt, IBAN: DE90 2507 0024 0551 0797 03. Mögliche Übererlöse kommen dem Verband der Ehemaligen zugute.


Programm

08:00 Uhr Treffpunkt Gartenkirche
08:15 Uhr Abfahrt
09:15 Uhr Ankunft Lippoldshöhle mit kurzer Besichtigung und Erläuterung
09:45 Uhr Abfahrt Lippoldshöhle

10:00 Uhr Ankunft Parkplatz Kammweg, Beginn Wanderung Kammweg, alternativ Fahrt zum Roten Fuchs und Aufstieg zum WilheIm-Raabe-Turm, bei Bedarf kann hier ein Shuttleservice zwischen Rotem Fuchs und Raabeturm in Anspruch genommen werden – dies bitte gesondert in der Anmeldung angeben.

12:00 Uhr Feierstunde am WilheIm-Raabe-Turm
Begrüßung: Hans-Joachim Bode, Hils- und Verkehrsverein Grünenplan
Turmrede: Ministerpräsident Stephan Weil (Abitur KWG 1977)

13:45 Uhr Abfahrt vom Roten Fuchs nach Eschershausen
14:15 Uhr Ankunft in Eschershausen im Mehrgenerationenhaus, hier ist für Ihr leibliches Wohl gesorgt.

14:30 Uhr Begrüßung und Holzbeschau: Dr. Eckhard Nöldeke
15:45 Uhr
Grußworte: Bürgermeister der Stadt Eschershausen/MdL Hermann Grupe
Festrede: Dr. Uwe Rademacher

16:30 Uhr Capella Wilhelmine 2019

18:00 Uhr Abfahrt Bus Eschershausen
19:15 Uhr Ankunft Gartenkirche

Treffpunkte

Lippoldshöhle, Glenetalstraße in Brunkensen, Abzweig von der B 3 Richtung Alfeld in Godenau.
Parkplatz Kammweg, zwischen Hohenbüchen und Grünenplan an der L 484 gelegen.
Roter Fuchs, ebenfalls an der L 484 zwischen Grünenplan und Heizen gelegen.
Mehrgenerationenhaus Eschershausen, Steinweg 20, 37632 Eschershausen.


Am großen Sohl. Renovierung des Umfeldes vom Raabeturm.
Am Raabeturm ist alles für das Jubiläum hergerichtet. TAH Ausriss 5.DEZ.2019

Ende.

Freitag, 29. November 2019

Vortragsplan für 2020. Prof. Biegel

Liebe Raabe-, Literatur- und Geschichtsfreunde,

mit unseren Eschershäuser Geschichtsvorträgen im Museum Raabehaus wollen wir zur Vermittlung von Wilhelm Raabe ebenso weiter beitragen, wie über unsere eigenen kulturhistorischen Forschungen berichten. Wichtiges Anliegen bleibt es für uns auch weiterhin, den Eschershäuser Kultur –und Heimatfreunde Anregungen zu geben, um Wilhelm Raabe, seine Zeit und seine Wirkungsgeschichte vertiefend kennenzulernen. Er ist der »große Sohn der kleinen Stadt« und mit seinem Werk weit über regionale Grenzen hinaus von Bedeutung. Das Museum Raabehaus in Eschershausen ist daher letztlich ein ernsthafter nationaler Kulturort, auf den es stets aufmerksam zu machen gilt, um Menschen für Raabe und für seine Geburtsstadt zu interessieren. 
Museum Raabehaus in Eschershausen Frontansicht.
Museum Raabehaus ca. 2012. G.Biegel
Aus Anlaß des 100. Geburtstags Raabes wurde am 9. September 1931 das Raabe-Denkmal in Eschershausen eingeweiht, das Wilhelm Raabe zeigt in einem geschlossenen Mantel und die Hände in den Manteltaschen vergraben. Das Denkmal ist eine Arbeit des Braunschweiger Bildhauers Karl Sagebiel und wurde am 9. September 1931 in Anwesenheit zahlreicher Honoratioren, darunter den Töchtern Raabes sowie einiger Enkel, eingeweiht. Im Jahre 1941 war der Bestand des Denkmals in Eschershausen bedroht. Die Engpässe in der Versorgung ließen einige Zeitgenossen ein ganz neues Interesse an der Raabe-Statue finden. Plötzlich rückte der Materialwert in den Mittelpunkt des Interesses und das Denkmal war vom Einschmelzen bedroht. Der Bürgermeister legte in einer Eingabe Beschwerde ein und betonte, daß »das Denkmal [...] eine Wallfahrtsstätte für die vielen Freunde des Dichters, die alljährlich das Weserbergland besuchen [sei]«. Auf einem Formular, das eine Stellungnahme der Gemeinde einforderte, hatte der Bürgermeister angekreuzt: »Das Denkmal soll erhalten bleiben, weil es – künstlerischen [...] – heimatlichen Wert hat«. Die Rubrik »politisch« hatte die Gemeinde gemäß der Vorgabe »Nichtzutreffendes ist durchzustreichen« gestrichen. Die Gemeinde und ihre Bürgerschaft kämpften um »ihren« Raabe und es bedarf auch heute wieder des Kampfes der Bürgerschaft, um die politischen Vertreter der Stadt an ihre Verantwortung zu erinnern, die heute offenbar leichter beiseitegeschoben werden kann, als 1941?

Hatte einst ein Bürger dieser Stadt ein Vermögen gestiftet, um das Raabehaus zu bewahren und museal zum Denkmal für Wilhelm Raabe zu machen, so scheint heutzutage der Kommerz die Kultur zu übertrumpfen und das Museum Raabehaus in seiner Existenz leichtfertig in Frage zu stellen. Daher müssen wir in Eschershausen die Verantwortlichen in der Stadt und Samtgemeinde daran erinnern, daß das Bekenntnis der Stadt und ihrer Bürger zu »Ihrem« Wilhelm Raabe selbst in schlimmsten Zeiten bewahrt wurde und sich mehr als 70 Jahre durchaus gelohnt hat. Dieses Vermächtnis darf nicht leichtfertig aufgegeben werden, denn Eschershausen war und muß bleiben die »Raabestadt Eschershausen«. Unsere Aktivitäten von Museum Raabehaus, Heimat –und Kulturverein, Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung, TU Braunschweig und Internationale Raabe-Gesellschaft e. V. sollen dazu beitragen, die Bedeutung Raabes zu vermitteln und auch zukünftig für Eschershausen zu werben.

Dazu hoffen wir auf Ihr Interesse und weiterhin eine rege Teilnahme an den Vorträgen der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V. und des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung, TU Braunschweig im Raabemuseum Eschershausen, zu denen wir Sie alle herzlich einladen.
    Ihr                   
 
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel
Gründungsdirektor Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung, TU Braunschweig, Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V. und Ehrenmitglied des Heimat –und Kulturvereins Eschershausen e.V.


PROGRAMM 2020

Freitag, 24. April 2020, 18.00 Uhr Vortrag
»Nationaler Kulturort oder
Abstellkammer der Lokalgeschichte?«
Reflexionen des Raabepräsidenten zur Bedeutung des
Museums Raabehaus in Eschershausen.
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

Freitag, 12. Juni 2020, 18.00 Uhr Vortrag
»Von Schritt zu Schritt wurde das Vergangene lebendig.«
Der Weserdistrikt als Wilhelm Raabes dominante
»Erinnerungslandschaft« – ein Ausflug in eine vergessene 
»Geschichtslandschaft« im Spiegel der Literatur.
 Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel und Dr. Angela Klein

Freitag, 18. August 2020, 18.00 Uhr Vortrag
»Der verfluchte Jude.«
Raabes jüdische Welt – zusammenhangslose Ressentiments und reflektierende Rezeption.
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

Sonntag, 6. September 2020, 16.00 Uhr (!!) Vortrag und Empfang
»Hätte Raabe mehr Kritik, so wäre er absolut Nummer eins.«
Raabe und Fontane – zwei historische Literaten, 
eine vergleichende Betrachtung.
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel und Dr. Angela Klein

Ende.

Mittwoch, 20. November 2019

Feierstunde 20 Jahre Raabehaus


Kleine Museen sind wichtig!


Als Wilhelm Raabe am 8. September 1831 in Eschershausen geboren wurde, konnte noch niemand ahnen, welche Bedeutung seine Person und sein Wirken für die Stadt einst haben würden. Heute gilt Raabe, sein Leben und Werk, sowie die Erinnerung an all das als identitätsstiftend für die einst kleines Stadt im Herzogtum Braunschweig, die sich heute selbstbewusst und mit großer Selbstverständlichkeit Raabestadt nennt. Einen großen Beitrag zur Erinnerungskultur leistet dabei das Geburtshaus Wilhelm Raabes, das seit Jahrzehnten als Erinnerungsstätte an einen der bedeutendsten Dichter des Landes dient.
Mit einer Feierstunde erinnerte jetzt der Heimat- und Kulturverein Eschershausen an die Neueröffnung des Museums Raabehaus vor 20 Jahren. Die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Ingrid Reuther, zugleich seit vielen Jahren auch Museumsleiterin im Raabehaus, konnte zahlreiche Gäste zu diesem kleinen, aber durchaus bedeutenden Jubiläum begrüßen. Bedeutend deshalb, weil es in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit ist, das gerade sehr kleine Museen weiterbestehen. Das jedenfalls ist der Tenor in den Grußworten der Vertreter von Rat und Verwaltung und dem beeindruckenden Festvortrag des Präsidenten der internationalen Raabegesellschaft, Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel, der eigens zur Feierstunde aus Braunschweig angereist war.
Eschershausens Stadtdirektor Jürgen Meyer würdigt zu Beginn der Feierstunde das große ehrenamtliche Engagement all derer, die zum Betrieb und Erhalt des Museum Raabehaus beitragen. Meyer erinnerte an den Um- und Ausbau des Hauses und betonte, dass es trotz großer finanzieller Schwierigkeiten gelungen sei, das Museum als solches zu erhalten. Dennoch könne der finanzielle Schwerpunkt der Stadt angesichts großer Herausforderungen beim Straßenbau und dem Hochwasserschutz aktuell nicht beim Museum liegen, so der Stadtdirektor weiter.
Gruppenbild der geehrten Damen und Herren und Rednern.
Gruppenbild. Ausriss TAH 19.NOV.2019.
Wohltuender hingegen die Worte des Bürgermeisters. Hermann Gruppe ließ den Rotstift in der Tasche und verteilte stattdessen Lob an den Verein für seine Bemühungen, den Menschen Raabe näherzubringen. Einen großen Blumenstrauß obendrauf gab es für Ingrid Reuther. Sie neige dazu, Lob und Anerkennung vorwiegend über ihre Mitstreiter auszuschütten. Doch im Grunde sei immer sie es, die vorweg geht, so der Bürgermeister anerkennend. 
Blumenstrauß für Ingrid Reuther.
Ingrid Reuther hier mit Blumen geehrt. ML
Im Anschluss war es dann Professor Biegel, das Leben Wilhelm Raabes und die Geschichte des Raabehauses näher zu beleuchten. Dabei holte Biegel, so darf man es wohl nennen, zu einem Rundumschlag gegen Sparmaßnahmen im Kultur- und Bildungsbereich aus und brach dabei eine Lanze für den Erhalt auch noch so kleiner Museen. „Museen, ob groß oder klein waren und sind Wissenschaftseinrichtungen und Bildungsinstitute mit einem zentralen Bildungsauftrag“, so der Präsident der internationalen Raabegesellschaft. „Ohne die museale Bildungsarbeit droht der Verlust des Wissens um die Geschichte und damit der wichtigsten Voraussetzungen unserer kulturellen und gesellschaftlichen Identität“ so Biegel weiter.
Biegel betonte, dass das Raabehaus in der Gegenwart einen wichtigen Beitrag zur Rezeption von Leben und Werk Wilhelm Raabes leistet. „Es zählt zu den bedeutendsten literarischen Museen in Niedersachsen“, so Biegel. Mit Blick auf den Dichter Raabe ist er sicher: „Was Theodor Fontane für Brandenburg war und ist, bedeutet Wilhelm Raabe für Niedersachsen.“ Dabei sei Raabe aktuell. Mit seinem Roman “Pfisters Mühle“ war er der Erste, der auf die ökologischen Gefahren der Umweltverschmutzung hingewiesen hatte, und mit seiner Version von den „Vereinigten Staaten von Europa“ in „Abu Telfan“ gewinnt er gerade in unserer Zeit weitere Aktualität, betont Biegel. Deshalb seine Forderung, dass das Geburtshaus in Eschershausen, das eine angemessene Stätte zur musealen Würdigung von Leben und Werk Wilhelm Raabes darstellt, auch als solche erhalten bleiben muss.
Im Rahmen der Feierstunde kam es dann noch zu besonderen Würdigungen und Ehrungen. Anne Gömann und das Ehepaar Hertha und Bernhard Wolff konnten Präsente und Blumen für ihr langes, ehrenamtliches Engagement im Verein entgegennehmen. Eine besondere Ehrung wurde an diesem Tag Prof. Dr. Biegel zuteil. Er wurde zum Ehrenmitglied des Heimat- und Kulturvereins ernannt und konnte aus den Händen des Geschäftsführers Ralph Meyer eine stattliche Urkunde entgegennehmen. 

Prof. Biegel jetzt Ehrenmitglied.
Ehrung für jahrelanges Engagement.
Mit einem gemeinsamen Imbiss klang die Feierstunde zum Jubiläum aus. 
Die musikalischen Untermalung des Abends gestalteten Sabine Kaufmann (Flöte) und Martin Zingerling (Klavier).

Text und Foto: Jürgen Bommer. Täglicher Anzeiger Holzminden.



Hier ein sehens- und hörenswerter Mitschnitt, denn die Festrede eröffnete Prof. Biegel mit einer Attacke.


Ende.