Donnerstag, 21. Mai 2020

Namensgeber ganz oben.


Schriftsteller als Namensgeber für Türme.




Wilhelm Raabe fand dafür ja gleich zweimal Verwendung als Inspirator und Namensgeber. Einmal am Hils und einmal im Harz.

Auch der Name Hermann Löns wurde von seinen Verehrern an einen Turm gebunden.
Turmbesuche lohnen immer.
Der Lönsturm am Thüster Berg. ML 2019.
Hermann Löns selbst hat damals die Anhöhe Kannstein im Thüster Berg sehr gerne bewandert.
Schlechtwetterschutz - Eingang in den Turm.
Eingang zum Wetterschutz. ML 2019.

Blick zum Ithende.
Blick zum Ith - die Grenze des früheren Tilithi-Gau. ML 2019.
Der Aufstieg bedeutet, sich mit guter Fitness der erheblichen Steigung zu stellen. Dafür bekommt man bei 440 Metern eine einzigartige Aussicht in das Weser-Leine-Bergland – die Turmhöhe ist 27 Meter und der obere Blick erhebt sich damit sogar über die Buchenbestände. 
Deisterblick inklusive.
Blick in Nordrichtung zum Deister. ML 2019.
Den in südwestlicher Richtung ebenfalls so hoch stehenden Wilhelm Raabe Turm kann man nur erahnen.

Die vorbildliche Sanierung wurde durch Spenden und - es ist immer wieder zu betonen - durch das europäische Leader Programm (ländlicher Raum, Profil 2007-2013) finanziert und die Anlage ist auf das Schönste vom Heimat- und Verkehrsverein Salzhemmendorf in Pflege.

AUF GEHT‘S!

Ende.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Wilhelm Raabe Schulen

Ist es Raabe wert, Namensgeber zu sein?

Bei Schulen liegt es nahe, den Namensgeber der Schule auf seine Vorbildfunktion für Schüler zu hinterfragen. Zumal der Namensgeber Raabe nicht mehr so geläufig ist und der, wenn man genau nachschaut, weder sein Abitur, noch das Studium abgeschlossen hat. Aber wie so oft, gibt es dafür Erklärungen in der Person und in deren Umfeld, die letztlich doch nicht hinderlich waren, ein kulturell wertvolles Lebenswerk zu hinterlassen. 
Und umgekehrt wird auch ein Schuh draus, denn Vorbildcharaktere anhand gebrochener Biografien heraus zu erarbeiten, ist gerade bei Raabe seinen Werken lohnenswert.

Eine Fotostrecke von knapp 10 bekannten Raabeschulen:

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Bremerhaven. Foto: Mueck auf Wikipedia












https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm-Raabe-Schule_(Bremerhaven)
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Eschershausen






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Braunschweig
 

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Braunschweig


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Hameln
  







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Hameln


 


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Lüneburg. Foto Rainer Knäpper. Wiki
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Sehne/Ilten

 

https://wordpress.nibis.de/gsilten/

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Wolfenbüttel

 

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Eingangsportal rechts.
Hannover - ein wuchtiges Eingangsportal.


Besonders hübsch und aufwendig gemacht.
Ein sehr freundlich
gestalteter Eingang.
Hier kommt viel Licht in die Klassen.
Seitenfassade mit hellen Fenstern.

Bienenfleißig sein.
Weizen - Früchte des Feldes
Weizen und Blumenornament.

Turmwohnung für den Pedell?
Wer auf sich hält, hat einen Turm.



http://www.wrs-hannover.de/
    
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Siehe weitere Bilder auf Wikimedia:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schools_named_after_Wilhelm_Raabe?uselang=de
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Alle Fotos ML 2020, 
außer, wenn Fotograf genannt.

Ende.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Sprache, Begriffe, Grenzen – Worte und Symbole für Wahrheit


Thomas Fischer, Richter am Bundesgerichtshof, hat die Zusammenhänge unseres Redens – hier im Rahmen des Strafrechts – luzide aufgegriffen:

Sprache besteht aus Symbolen. Die Zusammenhänge der Sprache sind keine bloße quantitative Anhäufung von Wörterzeichen. Wenn es so einfach wäre, könnten Computer schon heute besser sprechen (also denken) als Menschen. Das eigentlich Interessante und Faszinierende sind die qualitativen Aspekte der Sprache.
Bildlich ausgedrückt: Sprache ist keine Fläche, sondern eine vieldimensionale Form, die sehr direkt mit allen Funktionen des Gehirns verbunden ist und sie symbolisch widerspiegelt. Sie ist mit kognitiven, also „schlicht“ erkennenden Funktionen verbunden, zugleich mit Gefühlen, Wertungen, Vergleichen, Erinnerungen. Und sie ist ja vor allem immer grundsätzlich interaktiv, das heißt vereinfacht: Wo Sprache, in welcher Form auch immer, als „Output“ in die Welt geht, kommt sie auch als „Input“ wieder herein und trägt dabei alle fremden Symbolgehalte mit sich.

Daraus ergeben sich Folgerungen, die für unser Thema Strafrecht wichtig sind:
  • Zum Ersten, dass Sprache in hohem Maß mit Intelligenz zusammenhängt, also mit Abstraktionsvermögen einerseits, Erinnerungs-, Gefühls- und Assoziationsvermögen andererseits. Sie ist insoweit eng mit Empathie verknüpft.
  • Daraus folgt zum Zweiten, dass Sprache stets ein hohes Maß an Individualität hat und behält. Um als das überragend wichtige System der Verständigung und Zusammenarbeit zu funktionieren, das sie in der menschlichen Natur ist, muss sie ununterbrochen im kommunikativen Austausch „geübt“, angepasst, verglichen werden.
    „Was meinst du damit?“, ist eine scheinbar banale, tausendfach gestellte, in Wahrheit existenziell wichtige Frage. Sie stellt sich permanent, auch wenn sie nicht ausdrücklich formuliert wird. Das fremde „Meinen“ und Bedeuten, der fremde Sinn, sind für unsere Orientierung in der Welt von höchster Wichtigkeit. Wem eine gemeinsame Sprache abhandenkommt, wer den Sinn der Wörter nicht mehr versteht oder die der Mehrheit gemeinsame Logik der Sprachbedeutungen verlässt, den empfinden wir als „verrückt“‚ außenstehend, furchterregend. Vor „Wahnsinnigen“, aus der gemeinsamen Kommunikation herausgetretenen Menschen hat jeder Angst, denn man kann an ihren Zeichen nicht zuverlässig erkennen, was sie denken, planen, beabsichtigen. Beeindruckende Beispiele hierfür bieten etwa Texte von Schizophrenen.
  • Zum Dritten ergibt sich, dass der Inhalt der Sprache sich nicht allein deshalb ständig verändert, weil die Sachverhalte, die sie beschreiben soll, anders werden, sondern auch weil die Begriffe selbst „fließend“ sind. Sie werden in einem steten Prozess ausgehandelt, verschieben sich, verlieren alte oder gewinnen neue Bedeutungen. Das kann sich‚ bezogen auf individuelles Erleben, sehr langsam oder sehr schnell vollziehen. Das gilt selbst für scheinbar ganz feststehende, eindeutige Begriffe.
Beispiel:
1990, bei der deutschen Wiedervereinigung, war in den westlichen Bundesländern das Wort »Mutti« als Bezeichnung für eine Mutter zwar noch geläufig; es war aber im Lauf der Siebziger— und Achtzigerjahre von einer allgemein gebräuchlichen Bezeichnung zu einem Begriff geworden, der infolge von sozialen Konnotationen als unmodern, spießig und rückständig galt — quasi als Inbegriff eines kleinbürgerlich-engen Familienbildes der unmodernen Vergangenheit. In den neuen Bundesländern hatte das Wort eine solche Bedeutung aber nicht; es war (und ist bis heute) dort allgemein geläufig. Das Wort bezeichnete scheinbar dasselbe, transportierte aber — mit erheblichen Folgen für die kommunikative Wirkung — eine völlig unterschiedliche assoziative Botschaft. Die sprachliche Überwältigung des „unmodernen“ Ostens durch den „modernen“ Westen traf daher, weit über abstrahierende soziale Sachverhalte („Genosse“, „Kollege“‚ „Investor“‚ „Wohnbereich“, „Kollektiv“) hinaus tief in die Bedingungen von subjektiver Identität – wie auch immer „rückständig“. Es ist ein Phänomen der Moderne, dass die jeweiligen Sieger der Sinndefinition ein tief und meist sentimental empfundenes Mitleid mit Vertretern vernichteter Kulturen der fernen Vergangenheit durchaus als moralisch und emotional angenehm schätzen, aber Verachtung für Symbole derjenigen Kultur empfinden, die sie selbst soeben vernichten.
Das Zusammentreffen ost- und westdeutscher Sprache offenbarte — trotz der nur 40 Jahre dauernden Trennung und des immerhin (wenn auch nur einseitig) vorhandenen Austausches mittels Fernsehen — eine Vielzahl solcher Verschiebungen, die teilweise bis heute andauern. Dasselbe geschieht, im Alltag meist unmerklich, auch innerhalb eines Sprachraums: Was man heute unter Begriffen wie „Sport“, „Kultur“, „Arbeit“, „Familie“ versteht, ist keineswegs dasselbe wie vor 50 Jahren. Beispielhaft: Was heute als (kriminelle) „Gewalt gegen Kinder“ beschrieben wird, ging 1960 problemlos als „konsequente Erziehung“ durch.
Die Texte eines Gesetzes „verändern“ sich in ihren Bedeutungen und Sinnzusammenhängen also selbst dann, wenn sie im Wortlaut unverändert bleiben. Je älter Gesetzestexte sind, desto mehr Bedeutungsunschärfen können sich ansammeln. Für das Strafgesetz (wie für jedes andere Gesetz) hat all das erhebliche Folgen: So muss der Gesetzgeber versuchen, bei der Formulierung von Vorschriften so genau zu sein, dass möglichst wenige Zweifel am Inhalt und an der Bedeutung der verwendeten Begriffe bleiben.

Thomas Fischer
Textauszug aus "Über das Strafen"
Droemer Verlag

Ende

Donnerstag, 23. April 2020

Kunst, Kultur, Korona-Krise

Wenn überhaupt eine Branche, ein Milieu sich als widerstandsfähig erwiesen hat, dann ist das in Deutschland die Kultur!


Unsere Kulturlandschaft ist einzigartig!
Kein anderes Land der Welt hat auf seine Bevölkerung bezogen so viele Orchester, Opernhäuser, Theater, Museen und Bibliotheken. Das alles stammt aus der Zeit, als Deutschland noch in Kleinstaaten zersplittert war. Dass diese Vielfalt über zwei Weltkriege hinweg gerettet wurde, ist nicht der Politik, sondern den Bürgerinnen und Bürgern zu verdanken, für die Kultur ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Lebens ist. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir die Vielfalt und Qualität unserer Kulturlandschaft auch über diese Situation hinweg erhalten können.

Das 20igste Jahrhundert ist das für die deutsche Geschichte entscheidende Jahrhundert. Die Verwerfungen und Brüche haben sich darin wie unter einem Brennglas abgespielt. Die Künste sind Chronisten dieses Geschehens.

Der Buchstabe K - hier in Kanzleischrift.
Das K – hier in Kanzleischrift – ist der elfte Buchstabe im Alphabet,
ist ein harter Verschlusslaut, entspricht dem griechischen Kappa;
im Lateinischen dafür c (Ausnahme u. a.: Kalendae);
chemisches Zeichen für das Element Kalium.

Wie viel ist uns die Kultur wert? Das ist eine Frage für die ganze Gesellschaft – und vielleicht eher in schwierigen als in satten Zeiten, dann, wenn die Kultur konkurriert mit elementaren Bedürfnissen: Gesundheit, Unterkunft, Heizung, Nahrung. 


Ist auch die Kultur ein elementares Bedürfnis? Das ist eine spannende philosophische Betrachtung. Ich persönlich beantworte diese Frage eindeutig mit „Ja“.



Staatsministerin Monika Grütters.
Im Interview mit Jörg Häntzschel.
Ausriss aus Süddeutsche Zeitung.
Nr. 83 vom 8. April 2020.


Ende.

Montag, 20. April 2020

Kleidersellerbesuch im Museum

Ingo Beck, Mitglied des historischen Kreises der „Kleiderseller" und Frau Heidrun Ehninger zu Gast im Raabe Museum.


1859 lud der Historiker Dr. Carl Schiller eine Gruppe engagierter Braunschweiger Bürger in die Gaststätte zum „Gieseler“ ein. Der Grund: In Braunschweig sollte ein geschichtliches Museum entstehen. Deshalb rief Schiller einen Sammlerverein ins Leben, um im gesamten Herzogtum möglichst viele historische Gegenstände zusammenzutragen. 
In jener Zeit hießen die Altwarenhändler allgemein „Kleiderseller“. Um sich von diesen – damals etwas anrüchigen – Berufszweig abzuheben, nannte sich die honorige Bürgerrunde nun „Ehrliche Kleiderseller“. 
Das Museum wurde am 1. Mai 1865 in Neustadtrathaus eröffnet und zog später als das Städtische Museum in das Gebäude am Löwenwall um. 
Ja, was hat nun Raabe mit den Kleidersellern zu tun?
Raabe der 1870 zu dieser Runde gestoßen war blieb vier Jahrzehnte ein Mittelpunkt der Kleiderseller, die sich regelmäßig im „Grünen Jäger“ und später im „Großen Weghaus“ in Stöckheim trafen.

Bemerkenswert ist, dass die Kleidersellertradition nach Raabes Tod 1910 sogar über die beiden Weltkriege hinweg nie ganz abriss. Von den 20er- bis in die 40er Jahre bewahrten der Historiker Prof. Dr. Ernst-August Roloff und der Schriftsteller Robert Jordan die Kleiderseller vor dem Vergessen. Heute halten Ingo Beck und Kurt  Hoffmann die Runde zusammen. 
Da dieser Stammtisch immer noch besteht, dürfte er einer der ältesten in Deutschland sein. 
Kleiderspende mit einem echten Kleiderseller.
Ingo Beck, Ingrid Reuther, Heidrun Ehninger.

Begleitet wurde Raabefreund Ingo Beck von Heidrun Ehninger, die dem Raabe Museum Kleidungsstücke aus dem Nachlass von Wilhelm Raabe übergab.


Von Ingrid Reuther.
April 2020.

Ende.


Donnerstag, 9. April 2020

Bücher lesen - eine gute Idee?

Lesen ist immer eine gute Idee, nicht nur in Zeiten der Isolation.

Auch wenn im Vergleich zu früheren Jahren nicht mehr so viele Menschen lesen und heute eben durch anderes abgelenkt sind, Lesen macht kreativer, hilft gegen Einsamkeit und ermöglicht eine günstigere Lebenserwartungshaltung.

Und bei den Buchhändlern?
Der Umsatz der Buchbranche liegt bei 9 Milliarden Euro per anno. Dabei sind die Löwenanteile: schöngeistige, nicht wissenschaftliche Literatur mit rund 30 %, Kinder und Jugendbücher mit 15 %, Ratgeber mit 10 %.
Hauptverdiener und außerordentlicher Ausreißer unter den Schriftstellern 2019 war Joanne K. Rowling mit 92 Millionen Dollar. 

Der Leser aber – was zu beweisen ist – gewinnt immer durch nicht geldliche Dinge. Worte entfachen eine Kraft, dringen durch Augen und Ohren, arbeiten sich vor zur Seele – dort ist der eigentliche Nutzen.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil - mit Eule.
Einstieg ins Lesen mit den Grundlagen! ML 2020.
Ende.


Sonntag, 29. März 2020

Zensur 2020 Corona

Freiheitsrechte

Das Ordnungsamt Leipzig hat am Montag verfügt, dass die Bahnhofsbuchhandlung Ludwig schließen musste. Mehr als siebentausend Titel an nationalen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften konnten in der Buchhandlung, welche die größte ihrer Art in Deutschland sein dürfte, nicht mehr verkauft werden. Sie wurde geschlossen, ob wohl der Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften auch in der Corona-Krise weiterhin erlaubt ist. Vierundzwanzig Stunden später zog das Ordnungsamt das Verbot teilweise zurück. Nun dürfen Pressetitel verkauft werden, Bücher aber nicht. So hat das Leipziger Ordnungsamt gerade noch einmal halbwegs die Kurve gekriegt. 
Für vierundzwanzig Stunden aber hatte es die Pressefreiheit nach Artikel 5 Grundgesetz ausgesetzt. 
Denn zu dieser zählt auch, dass man Presseerzeugnisse kaufen kann. Aus gutem Grund: Die „Grundversorgung“ mit unabhängiger Information ist für die Demokratie konstitutiv. Sie wird nicht nur auf elektronischen und digitalen Wegen geleistet und nicht nur vom öffentlich—rechtlichen Rundfunk. Sie entsteht aus der Vielfalt der Darstellungsweisen und Meinungen, und diese wiederum fußt auf der Gesamtheit der Medien in diesem Land. Die zeitweilige Schließung der Buchhandlung Ludwig ist ein fatales Signal. Sie wirft ein Schlaglicht auf eine Entwicklung, die sich gerade in rasender Geschwindigkeit in vielen Lebensbereichen vollzieht und für die Politik neben der alles überformenden Gesundheitsvorsorge eine vorrangige Aufgabe darstellt: Freiheitsrechte werden ohne großes Federlesen suspendiert. 

Zahllose Existenzen, die darauf gründen, Leistungen den Menschen im freien Wettbewerb und selbständig anzubieten, auch solche, die man heute „systemkritisch“ nennt, kommen unter die Räder. Wer sich außerhalb gesicherter Pfade bewegt und nicht vom Staat und nicht von öffentlichem Geld bezahlt wird, ist draußen. Es droht eine „Bereinigung“ fundamentalen Ausmaßes, die nicht nur „Märkte“ betrifft, sondern die Koordinaten der freiheitlichen Grundordnung unserer Gesellschaft. Gestärkt werden transnationale Megakonzerne, die noch nie ausreichend Steuern bezahlt haben und erst in Ansätzen den Anforderungen genügen, die in unserem Rechtsstaat alle anderen zu erfüllen haben. Gestärkt werden aber auch all jene, die ihr Geld nicht selbst verdienen müssen. Die Politik steht vor der großen Aufgabe der Umverteilung. Sie muss die von der Corona—Pandemie ausgelösten Einschränkungen der Lebenschancen vieler Menschen erkennen und ihnen entgegentreten. Bessergestellte auf dem Sonnendeck mögen das Homeoffice für willkommene Abwechslung halten, für viele Menschen geht es um die nackte Existenz. Es wird nicht nur nichts mehr sein, wie es war, es hat sich schon alles verändert. … -

Kommentar von Michael Hanfeld.
Ausriss aus der F.A.Z. vom 25. März 2020.

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„Vielleicht denken wir, wenn alles vorbei ist, auch anders über die Umwelt und die Klimakrise. Die wollen wir ja auch nicht wirklich wahrhaben. So wie anfangs Corona.“
Sabrina Ambrogetti. Bernareggio.
Die Zeit 19. März 2020.
Ende.

Freitag, 27. März 2020

Nur Originales ist Wahres!

Rund 190 Jahre jung - Neuzugänge im Raabe Geburtshaus.


Aus Anlass einer großzügigen Leihgabe besuchten Heidrun Ehninger und Ingo Beck (Angehöriger des historischen Kreises der Kleiderseller) das Raabe Museum. Die Familie Friedrich Ehninger vertreten durch Heidrun Ehninger übergab folgende Kleidungsstücke aus dem Nachlass von Wilhelm Raabe als Dauerleihgabe dem Museum:

  • zwei Samtwesten von Gustav Raabe, Wilhelm Raabes Vater, 
  • das Taufhäubchen von Wilhelm Raabe, 
  • drei Kindermützchen von Wilhelm Raabe und 
  • das Brautgeschenk von Auguste Jeep an ihren Verlobten Gustav Raabe. 

Sie tun dies in dem Wissen, dass diese Objekte im Museum Raabe-Haus in bester Obhut sind.

Museumsleiterin Ingrid Reuther zeigte sich sehr erfreut über diese musealen Neuzugänge aus den Händen der Familie Ehninger, bedeutet es doch, diese Gegenstände zeigen zu dürfen eine wirkliche Bereicherung und macht so das Museum ein Stück attraktiver.


Ende.

Freitag, 20. März 2020

Kleinod: die Raabebühne.

35 Jahre Raabebühne.

2020 feiert die Eschershäuser Raabebühne ihr 35-jähriges Gründungsjubiläum. Anlass genug, diesen langen Zeitraum bürgerschaftlichen Engagement zur Bereicherung der Kulturlandschaft weit über die Grenzen der Stadt Eschershausen hinaus zu würdigen.

Alles begann 1984 – die Initiative, eine Theatergruppe zu gründen, ging von Ingrid Reuther aus. An interessierten Mitspielerinnen und Mitspielern mangelte es nicht, mit viel Ehrgeiz und Idealismus ging die Gruppe an die Realisierung ihres ersten Theaterprojekts heran. Die erste Aufführung des Stückes „Die fröhlichen Geister“ im Jahr 1986 war ein Riesenerfolg, mit dem trotz harter Arbeit im Vorfeld niemand so rechnen mochte. Über viele Jahre konnte die damalige Laiengruppe des MTSV Eschershausen mit einem Repertoire von Bauernschwänken, Volksstücken, Krimis, Boulevardkomödien und auch durchaus anspruchsvollen Musicals schöne Erfolge verbuchen. Einige Zeit nach der Herauslösung der Gruppe aus dem Verbund des MTSV folgten die ersten Inszenierungen aus den Werken von Wilhelm Raabe und die Umbenennung der Gruppe in „Raabebühne Eschershausen“.

Die „Wackerhahnsche“ bildete mit einer sehr erfolgreichen Adaption als Bühnenstück und ihrer Inszenierung im Sommer 2005 den Auftakt, es folgten anlässlich des 175. Geburtstags Wilhelm Raabes „Die Gänse von Bützow“ 2006, sowie „Abu Telfan“ im Frühjahr 2008, die den Ruf der Raabebühne als kulturell ernst zu nehmende Gruppe festigte.
35 Jahre Raabebühne Gruppenbild
Klein, aber langlebig.
Nicht zu vergessen die alljährlich traditionellen und liebevoll inszenierten Märchen zu Weihnachten, mit denen die Raabebühne weit über die Grenzen Eschershausen hinweg ein Markenzeichen gesetzt hatte. 35 Jahre Amateurtheater in Eschershausen, das bedeutet auch 35 Jahre ein Publikum, das den Laienspielern die Treue hält.

=> Die Proben zur Jubiläumsaufführung „Honig im Kopf“ gehen jetzt in die heiße Phase. Kartenverkauf zur Aufführung ist bei Kurt Seitz, Telefon 05534 2676.

Textausriss und Bild aus dem Täglichen Anzeiger Holzminden.
Ende.

Donnerstag, 12. März 2020

Lesewinter 2019 mit Winterbienen

Geht es Ihnen auch so?

Kaum ist der Winter vorbei und die Strecke der gelesenen Bücher ist doch ausnehmend ausreichend, da kommen schon die ersten, verfrühten Gedanken an den Lesesommer.

Falls Sie also im Herbst 2019 versäumt haben, sich mit dem Raabepreisträger Norbert Scheuer vertraut zu machen, so kommt hier die Empfehlung:

Winterbienen“ - eine Antikriegsgeschichte mitten aus dem Leben.


Die Geschichte beginnt ganz harmlos mit dem Satz:
„Ich wohne in einem Bergarbeiterstädtchen, das an einem Fluss liegt, der sich durch einsame, zerklüftete Landschaften schlängelt, eine Gegend mit kleinen Dörfern inmitten von Magerwiesen, Fichten-, Kiefern- und Buchenwäldern, die sich bis zur belgischen Grenze erstrecken...“
So leichtgewichtig der Beginn, so honigsüß der Plauderton, so fesselnd sind die kleinen Happen, die uns Norbert Scheuer als Augenfutter hinlegt. Unbedingt lesen – egal zu welcher Jahreszeit!
Buchrücken der Winterbienen, C.H.Beck Verlag.
Buchrücken der Winterbienen.
Verlag C .H. Beck. Rund 300 Seiten. 978 3 406 73963 7


"Das, was ich notiere, ist nur eine Projektion meines Lebens, es ist weniger und doch gleichzeitig mehr, als ich selbst bin, wie auch die gesprochene Sprache immer mehr ist als ihre schriftliche Wiedergabe, die aber auf der anderen Seite doch vielleicht eine tiefere Wirklichkeit aufzeigt, ebenso wie eine Landkarte niemals die tatsächliche Landschaft selbst darzustellen vermag."

Norbert Scheuer‚ geboren 1951, lebt als freier Schriftsteller in der Eifel. Er erhielt zahlreiche Literaturpreise und veröffentlichte zuletzt die Romane «Die Sprache der Vögel» (2015), der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, und «Am Grund des Universums» (2017). Sein Roman «Überm Rauschen» (2009) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und war 2010 «Buch für die Stadt Köln».

«Es ist ein Buch voller leichter Sätze, in denen doch das gesamte Gewicht des Lebens enthalten ist: die Hoffnung, die Angst, die Lust.» Oliver Creutz, Stern

«Die Bücher von Norbert Scheuer habe ich in den letzten Jahren mit am liebsten gelesen. Seine leisen und wuchtigen Bücher, seine verrätselten und traumklaren. Wenn Sie sie verpasst haben, dann holen Sie es nach!» Frank Meyer, Deutschlandfunk Kultur Lesart


Wer mehr HÖREN will:

Ende.

Donnerstag, 5. März 2020

Raabe und die Depression


Melancholie und Depression


Wilhelm Raabe betonte selbst, das eine Biografie über ihn gänzlich unnötig sei, da sein ganzes Leben in seinen Büchern zu finden wäre.
Untersucht man seine Texte in Bezug auf seine Lebensphasen, so ist das wohl zutreffend – siehe auch Werner Fuld: Eine Biografie, Carl Hanser Verlag, 1993, 382 Seiten.

An der Schwelle zur Ewigkeit.
 Vincent van Gogh. 1890.
Wie jeder Mensch hatte auch Raabe mit seelischen Höhen und Tiefen zu tun und konnte im bereits 1861 erschienenen Roman „Nach dem großen Kriege“ (Seite 128) den Deprimierten und den in Ihrer Trauerkuhle Gefangenen einen Rat geben, welchen er sicher auch selbst erfahren hat:

"… muss ich Dich aufrütteln zum Leben in der Wirklichkeit? Solch eine finstere, grimmige, passive Versunkenheit, wie sie Dich ergriffen hat, ist auch nutzlose Träumerei und vielleicht die schädlichste. WACH AUF, SeverusWenn der Mut, das Vertrauen, die Hoffnung nicht zu Dir in Deinen dunkeln Winkel kommen wollen, so gehe aus auf die Landstraßen, sie zu suchen. Wir finden sie nicht alle auf dieselbe Weise; aber wir alle können sie finden.“

Im Text finden sich weitere Ermunterungen, Mahnungen und handfeste Empfehlungen.

Auch beim Namen des Angeschriebenen (nicht nur dem des Schreibenden) zeigt sich die berühmte Raabesche Subtilität für Personennamen:
Sever(us) - Lateinisch für ernst, hart, gewissenhaft; in anderen Wortkombinationen auch streng, grausam, schrecklich.

Ende.

Freitag, 14. Februar 2020

Von jedem Buch auf dieser Welt ein Exemplar


Der Büchersammler zwischen Wissensdurst und Buchmeterhunger.


Wahn, Eitelkeit, Halbbildung. Der Vorwurf an den Büchernarren ist einfach: Er hat Unmengen an Büchern, aber er liest sie nicht und versteht sie nicht. Wer Bücher sammelt, wehrt sich auch 500 Jahre später gegen dieselben Vorurteile und Vorwürfe.

Haben Sie die alle gelesen?“

Es ist die häufigste Frage, wenn Besucher meiner Bibliothek die Regale bestaunen, in denen die Bücher in der Regel zwei-, im besten Fall dreireihig stehen. Natürlich habe ich von den 35.000 Büchern nicht alle gelesen — aber wie vertreibt man die Kälte, die sich kurz über das Gespräch gelegt hat, weil der Fragende meist just selbst bemerkt hat, wie — mit Verlaub — tumb seine Frage war. In den ersten Jahren antwortete ich noch mit „Die meisten zweimal“‚ und das Eis war gebrochen. Als sich aber einmal ein Gast anschickte, mir diese dreiste Flunkerei zu glauben, gab ich auf. Jetzt antworte ich im Brustton der Überzeugung: „Ich habe sie alle geschrieben.“

Bildungsbürgerlich verankert

Die Frage kenne nicht nur ich; jeder Büchersammler muss Ähnliches beantworten. Wer beruflich mit Büchern zu tun hat, trägt ein größeres Risiko, auch privat dem Buch zu verfallen. Lektoren und andere Mitarbeiterinnen in den Verlagen, Buchhändlerinnen und Bibliothekare. Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen, vielleicht Politiker und Journalisten. Es ist mit Ausnahmen schon eine recht bildungsbürgerliche Gesellschaft, die ihre Freizeit damit verbringt, Bücher aufzuspüren und der eigenen Bibliothek einzuverleiben; nicht ohne vorher die Neuzugänge angesehen und zugeordnet zu haben. Die meisten würden von sich nicht als Büchersammler sprechen aus Angst, es könne tatsächlich jemand glauben, sie interessierten sich nur für den Gegenstand und nicht für den Inhalt. „Bibliophil“ – „Bücher liebend“ – klingt da großzügiger und gelehrter. Bücherehre klingt noch respektvoller.
Buchaffin kann man sein, eine Nähe zum Buch verspürend, sich zu Büchern und Bibliotheken hingezogen fühlen, das passt auch noch. Büchersammler nennt man sich erst, wenn man das als Arbeit am kulturellen Gedächtnis, an der Förderung von Meinungsfreiheit und Pluralismus oder mit sonst einem überzeugenden gesellschaftspolitischem Vorhaben verklären kann.
Man könnte auch pathologisch an die Leidenschaft des Büchersammelns herangehen und von Bibliomanie sprechen. Der Bibliomane nimmt alle Bücher mit, derer er habhaft werden kann, ohne sich finanziell zu ruinieren (und manchmal auch das). Es ist – zumindest beim Großteil der Büchersammler – nicht sinnentleertes Aneinanderstellen von Publikationen, um bald einen weiteren Regalmeter mit Büchern gefüllt zu haben. Der Sammler ist in der Lage, auch entfernteste Themengebiete interessant zu finden. Einer der ersten berühmten Bibliomanen ist der Engländer Sir Thomas Phillipps (1792—1872). Er bezeichnete sich selbst als biblioman und konnte im Laufe seines Lebens 60.000 Manuskripte zusammentragen.

Braunschweigs gesammelte Bücher
Es lässt sich nicht übers Büchersammeln schreiben, ohne Braunschweig gleich mehrfach
Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel in seiner Bibliothek, Braunschweig, Leonhardtstraße.
Gerd Biegel et alii.
einen Besuch abzustatten. Mit Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel regierte das Herzogtum einer der eifrigsten und begeisterten Büchersammler, den die deutsche Regentengeschichte kennt. Seine Büchersammlung bildet den Grundstock für die Herzog-August-Bibliothek, die im ln- und Ausland als eine der ältesten unversehrt erhaltenen Bibliotheken der Welt angesehen ist. Gottfried Wilhelm Leibniz hat diese Bibliothek von 1691—1716 geleitet, im gleichen Amt finden wir von 1770—1781 Gotthold Ephraim Lessing.
Der Blick braucht gar nicht weit zurückzugehen. Eine Kulturgeschichte des Büchersammelns der letzten 50 Jahre in Deutschland würde ohne zwei Namen nicht auskommen, die mit Stadt und Land Braunschweig eng verbunden sind. Und dabei stehen Paul Raabe (1927—2013) und Gerd Biegel, will man sie zwischen Bücherehre und Bibliomanie verorten, denkbar weit voneinander entfernt. Hier der Direktor der Herzog-August-Bibliothek, „als leidenschaftlicher Bibliothekar, anerkannter Forscher und Publizist sowie als erfolgreicher Kulturmanager“ mit der Leibniz-Medaille der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für das Lebenswerk ausgezeichnet, der die Bücher schätzte und ehrte. Verfallen war er ihnen nicht, sie schienen zuweilen eine Bürde: „Allerdings habe ich durchaus auch die Schwierigkeit in meinem Leben erfahren, was es bedeutet, als Bibliothekar zu sammeln und privat noch Bücher anzuschaffen.“
Auf der anderen Seite Gerd Biegel, Gründer des Instituts für Braunschweigische Regionalgeschichte, der bei allem Alltagsgeschäft das Träumen nicht aufgegeben hat.
Seinen Traum träumen viele Büchersammler und Sir Thomas Phillipps hat den Traum im 19. Jahrhundert in Worte gekleidet: Von jedem jemals erschienenen Buch je ein Exemplar in die eigene Bibliothek stellen zu können. Dass das unmöglich ist, weiß natürlich auch Gerd Biegel. Aber so nah wie er ist noch niemand an das Luftschloss herangekommen: Mit seinen 230.000 Büchern besitzt er die größte Privatbibliothek Norddeutschlands. Die Zahl ist wohlgemerkt geschätzt. Aber Zweifler lädt der Braunschweiger Bibliomane herzlich zum Nachzählen in seine Bibliothek ein.

Dr. Ulrich Brömmling.
Germanist, Scandinavist in Braunschweig.
Ausriss aus Vier Viertel Kult, SBK
Herbst 2019

Ende.