Freitag, 14. August 2020

Poetikdozentur

 In Braunschweig ist Kultur weiblich!

Covid-19 - was lässt sich aus feministischer Sicht zu der durch das Virus ausgelösten gesellschaftlichen Entwicklung sagen? Sind jetzt (ersehnte/befürchtete) Wertewechsel möglich oder wird vielmehr an alteingesessenen Strukturen umso nachhaltiger festgehalten? 

Sasha Marianna Salzmann, ausgezeichnet mit der diesjährigen Ricarda Huch Poetikdozentur, initiiert vier Gespräche:

  • mit der Soziologieprofessorin Sabine Hark, 
  • dem Autor und Dramaturg Necati Öziri, 
  • der Dramatikerin Sivan Ben Yishai 
  • und der Schriftstellerin Emma Braslavsky.

Die vier geplanten Gespräche werden aufgezeichnet und online ab Juli 2020 zur Verfügung gestellt. 

Die ersten beiden Gespräche sind bereits hier abrufbar, im Spätsommer folgen das dritte und vierte Gespräch.

https://www.braunschweig.de/kultur/literatur/ricarda_huch/Poetikdozentur_Uebersicht.php

Ende.

Freitag, 7. August 2020

Ruhm ist: mitgedacht werden, wenn an ein ganzes Volk gedacht wird.


Der Philatelistische Dienst der Deutschen Bundespost begann am 1. Januar 1975 mit der Herausgabe der „Amtlichen Ersttagblätter“.

Hier sind einige aufgeführt, die Dichtern gewidmet wurden.

Ersttagsbrief Dt. Bundespost Brentano 1978
Brentano


Zum 200. Male jährt sich der Geburtstag eines der größten Dichter der deutschen Romantik. Clemens Brentano *9. September 1778.
Obwohl Brentano zu den großen romantischen Dichtern gehört, ist sein Werk bis heute nur zu einem kleinen Teil bekannt. Mit seinem Namen verbindet sich in erster Linie die umfangreiche Volksliedsammlung »Des Knaben Wunderhorn«‚ die er gemeinsam mit seinem Freund Achim von Arnim herausgab. Außerdem sind seine Märchen zum Teil lebendig geblieben. Weniger bekannt ist, dass er auch der Schöpfer der Lorelei-Sage ist, die später von vielen Dichtern, darunter Heinrich Heine, besungen wurde.
Zeitgenössischer Scherenschnitt von Luise Duttenhofer: Brentano als Schmetterling.
Entwurf des Ersttagsstempels: Elisabeth von Janota-Bzowski, Düsseldorf.





150. Geburtstag von Wilhelm Busch 
*15. April 1832 +9. Januar 1908
Ersttagsbrief Dt. Bundespost 1982
Busch

Millionen Menschen kennen „Max und Moritz“. Viele Tausende besitzen ein Buschalbum als „Hausschatz“. Unzählige zitieren seine populären Verse.
Busch findet erst mit 26 Jahren als Mitarbeiter der humoristischen Wochenschrift „Fliegende Blätter“‘ einen Weg zum künstlerischen Erfolg. Die Bildergeschichte „Max und Moritz“ begründet 1565 seinen Ruhm. Es folgen u. a. „Die fromme Helene“‚ „Julchen“‚ „Fipps der Affe“‚ „Maler Klecksel“. Seine Bedeutung für die Kunst der Bildergeschichte zeigt sich in der Entwicklung vom gedruckten Flugblatt bis zum heutigen Cartoon. Damit ist aber Wilhelm Buschs künstlerische Vielfalt noch nicht ausgeschöpft. Als Dichter und Philosoph ist er den wenigsten bekannt. Seine Prosawerke „Eduards Traum“ und „Der Schmetterling“ sind von zeitloser Aktualität.
Entwurf des Ersttagsstempels: Paul Froitzheim, Tönisvorst.
Motiv: „Helenchen“ am Beginn des dritten Kapitels mit der Schlussbemerkung des „Onkel Nolte“ aus der Bildergeschichte „Die fromme Helene“.


Ersttagsbrief Dt. Bundespost 1982
Goethe




18. Februar 1982 – 150. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe, welcher im 83. Lebensjahr stehend, in Weimar starb.
Motiv: nach einem Gemälde von Georg Melchior Kraus. Weimar 1776.
Entwurf des Ersttagsstempels: Elisabeth von Janota-Bzowski, Düsseldorf.
Motiv: Stern aus Goethes Wappen.









Die 150. Wiederkehr des Todestages am 16. November 1977 ist Anlass, des Schriftstellers Wilhelm Hauff zu gedenken.

Ersttagsbrief Dt. Bundespost 1977
Hauff
Während seines Theologiestudium wurde Hauff von einem geradezu fieberhaften Drang zum Schreiben erfasst. Er produzierte ohne Mühe mit fast unbegreiflicher Schnelligkeit und seine leichte, gewandte, rastlose Feder kam, als ob er seinen frühen Tod ahnen würde, nicht mehr zur Ruhe. Von wenigen Gedichten abgesehen, besteht fast das gesamte Werk Hauffs aus erzählender Prosa, die historische oder zeitgenössische Stoffe behandeln. Am künstlerisch gelungensten sind die „Phantasien im Bremer Ratskeller“. In erster Linie aber verbindet sich Hauffs Name mit den Märchen, die kunstvoll in Rahmenerzählungen eingebettet sind. Die Märchen - in viele Sprachen übersetzt - sind mit „Kalif Storch“, „Zwerg Nase“, „Der kleine Muck“ oder „Das kalte Herz“ Märchengestalten der Weltliteratur geworden.
Hauff steht zwischen Romantik und Frührealismus.
Motiv: Hauff am Schreibtisch sitzend.
Entwurf des Ersttagsstempels: Elisabeth von Janota-Bzowski, Düsseldorf.



Wiederkehr des 150. Geburtstags von Wilhelm Raabe.
Ersttagsbrief Dt. Bundespost 1981
Raabe
Wilhelm Raabe gehört zu den großen, auch im Ausland anerkannten deutschen Erzählern. 68 epische Dichtungen entstammen seiner Feder. Neben Theodor Fontane und Theodor Storm zählt er zu den bedeutendsten Realisten der deutschen Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts.
Motiv: Kopfbild
Entwurf des Ersttagsstempels: Bruno K. Wiese

-ENDE-

Freitag, 24. Juli 2020

Neuerscheinung: Der Blick auf das blaue Meer

Insellektüre 

Pünktlich zur Urlaubssaison legt Herr Walter Zimorski eine wunderschöne Insellektüre vor: Wilhelm Raabe auf Sylt und Borkum. Der Raabe-Kenner weiß über Raabes Reisen ins Norddeutsche Bescheid und auch über den erwarteten gesundheitlichen Nutzen. In diesem Buch gelingt die Verkettung der zeitlichen Abläufe mit den familiären und gesellschaftlichen Ereignissen - wunderbar eingebettet in Erläuterungen zur Gegend. So kommt auch das recht berühmte Foto Raabes auf der Buhne am Meeresrand in den richtigen Kontext, wie überhaupt reichlich Bildmaterial die Texte stützt. Ebenso mit Bedacht ist richtigerweise Raabes dichterische Urlaubsreflexion „Deutscher Mondschein“ in der Mitte platziert und somit von den Inselbeschreibungen stilvoll eingerahmt. 

Der Blick auf das blaue Meer- Buchneuerscheinung
W.Zimorski publiziert im Igel-Verlag.


 Durch die klare Strukturierung und kleinteiligen Texte ist das Buch für den Sommerurlaub sehr empfehlenswert – und da auch erhebliches Wissen über die historischen lokalen Geschehnisse mitgeteilt wird, wird man es als Strandlektüre vor Ort besonders zu schätzen wissen. 
Igel Verlag, Hamburg
ISBN 978-3-86815-737-6

Ende.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Ein leeres Blatt Papier.


Das ist die größte Aufgabe für den Schriftsteller,


dass er eine leere Fläche mit Wörtern befüllen will, die andere dann möglichst auch lesen möchten. 
Wilhelm Raabe hat diese auch ihn beschäftigenden Schwierigkeiten listigerweise häufig mit seinen Lesern geteilt.
Leere Buchseiten laden zur Befüllung ein.
Füll mich! ML
Der erste Gedanke, das erste Wort bleibt selten so stehen und unbearbeitet, denn die Hürde des Akzeptablen ist aus Sicht des Schriftstellers und nach seinen Maßstäben groß.

Dagegen haben wir Leser das leicht: wir können alles nach Tagesform kritisieren und brauchen selten Rücksicht auf den Schriftsteller zu nehmen.

Und doch lohnt sich der Aufwand des Schreibens und unser Respekt dazu, denn:

„Mehr als das Gold hat das Blei die Welt verändert
und mehr als das Blei in der Flinte
das Blei im Setzkasten“.
Georg Christoph Lichtenberg
Göttingen

-ENDE-

Donnerstag, 18. Juni 2020

Münzen – das Runde musste ins Eckige - Megatrend Digital.


Seit Erfindung des Münzgeldes vor etwa 2.600 Jahren

wurden zunächst im Mittelmeerraum, letztlich dann über den gesamten Globus hinweg, Milliarden und Abermilliarden Münzen hergestellt — in aller Regel in Form kleiner runder Metallscheiben mit beidseitig eingearbeiteten Text— und Bildelementen. Aus kulturgeschichtlicher Perspektive sind Münzen als historische Originalzeugnisse also gerade deshalb so faszinierend, weil ihre Materialeigenschaften, ihre Präge- und Fundorte sowie ihre Bild— und Textgestaltung so überaus viel darüber verraten, wie Menschen miteinander interagiert, wie sich politische Mächte legitimiert und wie sich ganze Wirtschaftssysteme entwickelt haben: Münzen bieten uns Einblicke in frühere Kulturen, die wir aus literarischen Zeugnissen niemals gewinnen könnten. 1754 wurde mit dem „Kunst und Naturaliencabinett“ (HAUM) eines der ersten öffentlich zugänglichen Museen überhaupt eröffnet. 

Fünf Pfennige von 1862. BS.
Münzgeld zu Raabes Zeit. ML.
Der Sammlungsbestand wird hier typischerweise der Ordnungslogik von eckigen Kabinettschränken unterworfen, die jeder einzelnen Münze einen festen Platz zuweist und sie damit überhaupt erst auffindbar und somit der Forschung zugänglich macht. Die Lagerung im Münzschrank war über die letzten Jahrhunderte hinweg sozusagen der Goldstandard numismatischer Systematisierungstätigkeit. Über die letzten Jahrzehnte hinweg sind publizierte Sammlungskataloge der griechischen, römischen und mittelalterlichen Münzen sowie der Medaillen hinzugekommen. Seit 2018 nun wird die Sammlung sukzessive digitalisiert www.virtuelles-muenzkabinett.de und gewinnt damit eine bedeutende neue Dimension hinzu.

Neue Bezüge dank Schnittstellen

Die Digitalisierung einer numismatischen Sammlung bietet die Möglichkeit, die starre Ordnungslogik aufzulösen und den Sammlungsbestand in einer ganz neuen Qualität nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch für die Forschung aufzubereiten: Die Daten, die sich zu den einzelnen Sammlungsobjekten erheben lassen, werden fluide und lassen sich über virtuelle Schnittstellen in Sekundenbruchteilen mit Daten aus anderen Sammlungen weltweit in Beziehung setzen. So werden erstmals in großem Stil statistische Abfragen etwa über den Münzumlauf, über Hortbildungsmuster oder über den Einsatz bestimmter Bildelemente möglich. Gerade über die hochwertigen Bilddateien, die mit jedem Digitalisat verknüpft sind, lassen sich die Objekte jetzt auch mit Verfahren der Künstlichen Intelligenz untersuchen, und perspektivisch werden sich in absehbarer Zeit in großer Zahl 3D-Modelle von Münzen einbinden lassen. Galt die Anforderung „das Runde muss ins Eckige“ im Grunde schon für die Münzkabinette alten Typs, so ist Sammlungstätigkeit heute ohne das Instrumentarium des Digitalen kaum mehr denkbar.
Althistoriker Prof. Dr. Johannes Wienand.
Alte Geschichte, Technische Universität Braunschweig.

Neuer Impuls fürs Sammeln

Die alte Welt mit Katalogen, Fachzeitschriften, Antiquariaten und Auktionen hat ausgedient. Jeder Sammler kann mittlerweile im Internet weltweit selbst auf die Jagd gehen. Es ist so leicht wie noch nie, an Informationen zu kommen, zu größerer Transparenz, etwa bei der Ermittlung aktueller Marktpreise. Auf den ersten Blick gefällt der Trend den traditionellen Händlern natürlich nicht. Sie müssen sich neu erfinden. Wer das nicht schafft, wird die Digitalisierung nicht überleben. Denn tatsächlich wird die Digitalisierung dem Sammeln allgemein einen neuen Impuls geben, schließlich geht es um den Ausdruck von
1867 Herzog Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg.
Raabes Zeit: Herzog Wilhelm, BS.
1 Thaler von 1867. ML
Individualität.
Die Unternehmensgruppe Richard Borek steht seit 1893 im Dienst des Sammlers. Bereits jetzt hat sich das Nutzungsverhalten der Kunden in der digitalen Welt erheblich verändert. Auf die Homepage  www.borek.de greifen die Kunden bereits mehr als 20 Millionen Mal pro Jahr zu. Mittlerweile werden jährlich mehr als 500.000 Bestellungen über E-Commerce abgewickelt. Das ist schon mehr als die Hälfte — Tendenz steigend — und das bei einer doch eher konservativen und älteren Kundschaft. Der Weg des Unternehmens wird weg vom klassischen Handelshaus hin zu einem digitalen Dienstleister führen. Die Möglichkeiten sind nicht absehbar. Dank der Blockchain-Technologie wird es zum Beispiel bald möglich sein, die Echtheit hochwertiger und mobiler Sachwerte auf Anhieb bestimmen zu können. Dazu wird ein hauchdünner, versiegelter Code an den betreffenden Objekten angebracht, der weltweit überprüft werden kann. In Echtzeit wird es für den Sammler möglich sein, zu ermitteln, ob der geforderte Preis angemessen ist oder nicht. Und umgekehrt wird es für Dienstleister möglich sein, Kunden ein gezieltes Angebot für ihre Sammlung zu übermitteln, sofern sie ihre digitale Sammlung zur Verfügung gestellt haben.
Angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten treibt die Unternehmen natürlich die Frage um, was Menschen in 10, 20 oder 50 Jahren sammeln und wie sie es tun werden. Denn Jäger und Sammler werden wir auch in der nächsten Generationen bleiben, nur eben in anderer Form.

Richard Borek, der Jüngere.
Briefmarkenfachhandlung Richard Borek GmbH & Co. KG,
MDM Münzhandelsgesellschaft mbH & Co. KG Deutsche Münze,
Archiv Verlag.

Kurzausriss aus: Vier Viertel Kult, SBK.
Herbst 2019.

Ende.

Donnerstag, 4. Juni 2020

Hand und Hirn


Zählen Sie zu den Menschen, die einen Füller zwischen drei Fingerspitzen halten und einen lesbaren und ästhetisch ansprechenden Text schreiben können?

Glückwunsch, Sie beherrschen eine Kulturtechnik, die vermutlich bald so elitär sein wird wie das Reiten im Damensattel. Die Industrialisierung hat mit Eisenbahnen und Automobilen das Reisen auf Pferderücken zu antiquarischen Kuriositäten gemacht; die Digitalisierung stellt mit ihren Smartphones, Tablets und Sprachassistenten dasselbe mit der Handschrift an. Längst führt sie Rückzugsgefechte auf Notizzetteln‚ in Kondolenzbriefen — und in der Schule. Dort trifft es die verbundene Schreibschrift besonders hart. Viele Kinder hierzulande beherrschen nur noch die an Druckbuchstaben orientierte Grundschrift. Wozu Schnörkel, wenn alle tippen oder Siri diktieren? Die Stiftung Handschrift, die sich der Rettung der Schreibschrift verschrieben hat, stellte kürzlich alarmierende Zahlen vor: 51 Prozent der Jungen und 31 Prozent der Mädchen in weiterführenden Schulen haben Probleme mit der Handschrift. In der Sekundarstufe I kann nur die Hälfte flüssig Schreibschrift schreiben, die andere fällt in die gedruckte Handschrift zurück. Zwei Drittel der Schüler bekommen nach zehn bis 15 Minuten einen Schreibkrampf. 
Kurrentschrift von Wilhelm Busch
"Schein und Sein"
Warum das ein Jammer ist? Weil Schreibschrift kein überflüssiger Dekor ist, sondern eine ganzheitliche Übung, die beim Denken hilft.

Wer Buchstaben erschafft, statt sie auf einer Tastatur auszuwählen, wer sie motorisch zu Worten verbindet, aktiviert mehr Hirnregionen und vergisst das Notierte weniger leicht. Die Langsamkeit des Vorgangs unterstützt die Gedankenfindung und fordert Konzentration.
Übrigens nicht nur bei Kindern.

Ursula Scheer.
Ausriss aus F.A.Woche
2019 Mai.
Ende.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Namensgeber ganz oben.


Schriftsteller als Namensgeber für Türme.




Wilhelm Raabe fand dafür ja gleich zweimal Verwendung als Inspirator und Namensgeber. Einmal am Hils und einmal im Harz.

Auch der Name Hermann Löns wurde von seinen Verehrern an einen Turm gebunden.
Turmbesuche lohnen immer.
Der Lönsturm am Thüster Berg. ML 2019.
Hermann Löns selbst hat damals die Anhöhe Kannstein im Thüster Berg sehr gerne bewandert.
Schlechtwetterschutz - Eingang in den Turm.
Eingang zum Wetterschutz. ML 2019.

Blick zum Ithende.
Blick zum Ith - die Grenze des früheren Tilithi-Gau. ML 2019.
Der Aufstieg bedeutet, sich mit guter Fitness der erheblichen Steigung zu stellen. Dafür bekommt man bei 440 Metern eine einzigartige Aussicht in das Weser-Leine-Bergland – die Turmhöhe ist 27 Meter und der obere Blick erhebt sich damit sogar über die Buchenbestände. 
Deisterblick inklusive.
Blick in Nordrichtung zum Deister. ML 2019.
Den in südwestlicher Richtung ebenfalls so hoch stehenden Wilhelm Raabe Turm kann man nur erahnen.

Die vorbildliche Sanierung wurde durch Spenden und - es ist immer wieder zu betonen - durch das europäische Leader Programm (ländlicher Raum, Profil 2007-2013) finanziert und die Anlage ist auf das Schönste vom Heimat- und Verkehrsverein Salzhemmendorf in Pflege.

AUF GEHT‘S!

Ende.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Wilhelm Raabe Schulen

Ist es Raabe wert, Namensgeber zu sein?

Bei Schulen liegt es nahe, den Namensgeber der Schule auf seine Vorbildfunktion für Schüler zu hinterfragen. Zumal der Namensgeber Raabe nicht mehr so geläufig ist und der, wenn man genau nachschaut, weder sein Abitur, noch das Studium abgeschlossen hat. Aber wie so oft, gibt es dafür Erklärungen in der Person und in deren Umfeld, die letztlich doch nicht hinderlich waren, ein kulturell wertvolles Lebenswerk zu hinterlassen. 
Und umgekehrt wird auch ein Schuh draus, denn Vorbildcharaktere anhand gebrochener Biografien heraus zu erarbeiten, ist gerade bei Raabe seinen Werken lohnenswert.

Eine Fotostrecke von knapp 10 bekannten Raabeschulen:

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Bremerhaven. Foto: Mueck auf Wikipedia












https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm-Raabe-Schule_(Bremerhaven)
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Eschershausen






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Braunschweig
 

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Braunschweig


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Hameln
  







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Hameln


 


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Lüneburg. Foto Rainer Knäpper. Wiki
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Sehne/Ilten

 

https://wordpress.nibis.de/gsilten/

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Wolfenbüttel

 

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Eingangsportal rechts.
Hannover - ein wuchtiges Eingangsportal.


Besonders hübsch und aufwendig gemacht.
Ein sehr freundlich
gestalteter Eingang.
Hier kommt viel Licht in die Klassen.
Seitenfassade mit hellen Fenstern.

Bienenfleißig sein.
Weizen - Früchte des Feldes
Weizen und Blumenornament.

Turmwohnung für den Pedell?
Wer auf sich hält, hat einen Turm.



http://www.wrs-hannover.de/
    
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Siehe weitere Bilder auf Wikimedia:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schools_named_after_Wilhelm_Raabe?uselang=de
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Alle Fotos ML 2020, 
außer, wenn Fotograf genannt.

Ende.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Sprache, Begriffe, Grenzen – Worte und Symbole für Wahrheit


Thomas Fischer, Richter am Bundesgerichtshof, hat die Zusammenhänge unseres Redens – hier im Rahmen des Strafrechts – luzide aufgegriffen:

Sprache besteht aus Symbolen. Die Zusammenhänge der Sprache sind keine bloße quantitative Anhäufung von Wörterzeichen. Wenn es so einfach wäre, könnten Computer schon heute besser sprechen (also denken) als Menschen. Das eigentlich Interessante und Faszinierende sind die qualitativen Aspekte der Sprache.
Bildlich ausgedrückt: Sprache ist keine Fläche, sondern eine vieldimensionale Form, die sehr direkt mit allen Funktionen des Gehirns verbunden ist und sie symbolisch widerspiegelt. Sie ist mit kognitiven, also „schlicht“ erkennenden Funktionen verbunden, zugleich mit Gefühlen, Wertungen, Vergleichen, Erinnerungen. Und sie ist ja vor allem immer grundsätzlich interaktiv, das heißt vereinfacht: Wo Sprache, in welcher Form auch immer, als „Output“ in die Welt geht, kommt sie auch als „Input“ wieder herein und trägt dabei alle fremden Symbolgehalte mit sich.

Daraus ergeben sich Folgerungen, die für unser Thema Strafrecht wichtig sind:
  • Zum Ersten, dass Sprache in hohem Maß mit Intelligenz zusammenhängt, also mit Abstraktionsvermögen einerseits, Erinnerungs-, Gefühls- und Assoziationsvermögen andererseits. Sie ist insoweit eng mit Empathie verknüpft.
  • Daraus folgt zum Zweiten, dass Sprache stets ein hohes Maß an Individualität hat und behält. Um als das überragend wichtige System der Verständigung und Zusammenarbeit zu funktionieren, das sie in der menschlichen Natur ist, muss sie ununterbrochen im kommunikativen Austausch „geübt“, angepasst, verglichen werden.
    „Was meinst du damit?“, ist eine scheinbar banale, tausendfach gestellte, in Wahrheit existenziell wichtige Frage. Sie stellt sich permanent, auch wenn sie nicht ausdrücklich formuliert wird. Das fremde „Meinen“ und Bedeuten, der fremde Sinn, sind für unsere Orientierung in der Welt von höchster Wichtigkeit. Wem eine gemeinsame Sprache abhandenkommt, wer den Sinn der Wörter nicht mehr versteht oder die der Mehrheit gemeinsame Logik der Sprachbedeutungen verlässt, den empfinden wir als „verrückt“‚ außenstehend, furchterregend. Vor „Wahnsinnigen“, aus der gemeinsamen Kommunikation herausgetretenen Menschen hat jeder Angst, denn man kann an ihren Zeichen nicht zuverlässig erkennen, was sie denken, planen, beabsichtigen. Beeindruckende Beispiele hierfür bieten etwa Texte von Schizophrenen.
  • Zum Dritten ergibt sich, dass der Inhalt der Sprache sich nicht allein deshalb ständig verändert, weil die Sachverhalte, die sie beschreiben soll, anders werden, sondern auch weil die Begriffe selbst „fließend“ sind. Sie werden in einem steten Prozess ausgehandelt, verschieben sich, verlieren alte oder gewinnen neue Bedeutungen. Das kann sich‚ bezogen auf individuelles Erleben, sehr langsam oder sehr schnell vollziehen. Das gilt selbst für scheinbar ganz feststehende, eindeutige Begriffe.
Beispiel:
1990, bei der deutschen Wiedervereinigung, war in den westlichen Bundesländern das Wort »Mutti« als Bezeichnung für eine Mutter zwar noch geläufig; es war aber im Lauf der Siebziger— und Achtzigerjahre von einer allgemein gebräuchlichen Bezeichnung zu einem Begriff geworden, der infolge von sozialen Konnotationen als unmodern, spießig und rückständig galt — quasi als Inbegriff eines kleinbürgerlich-engen Familienbildes der unmodernen Vergangenheit. In den neuen Bundesländern hatte das Wort eine solche Bedeutung aber nicht; es war (und ist bis heute) dort allgemein geläufig. Das Wort bezeichnete scheinbar dasselbe, transportierte aber — mit erheblichen Folgen für die kommunikative Wirkung — eine völlig unterschiedliche assoziative Botschaft. Die sprachliche Überwältigung des „unmodernen“ Ostens durch den „modernen“ Westen traf daher, weit über abstrahierende soziale Sachverhalte („Genosse“, „Kollege“‚ „Investor“‚ „Wohnbereich“, „Kollektiv“) hinaus tief in die Bedingungen von subjektiver Identität – wie auch immer „rückständig“. Es ist ein Phänomen der Moderne, dass die jeweiligen Sieger der Sinndefinition ein tief und meist sentimental empfundenes Mitleid mit Vertretern vernichteter Kulturen der fernen Vergangenheit durchaus als moralisch und emotional angenehm schätzen, aber Verachtung für Symbole derjenigen Kultur empfinden, die sie selbst soeben vernichten.
Das Zusammentreffen ost- und westdeutscher Sprache offenbarte — trotz der nur 40 Jahre dauernden Trennung und des immerhin (wenn auch nur einseitig) vorhandenen Austausches mittels Fernsehen — eine Vielzahl solcher Verschiebungen, die teilweise bis heute andauern. Dasselbe geschieht, im Alltag meist unmerklich, auch innerhalb eines Sprachraums: Was man heute unter Begriffen wie „Sport“, „Kultur“, „Arbeit“, „Familie“ versteht, ist keineswegs dasselbe wie vor 50 Jahren. Beispielhaft: Was heute als (kriminelle) „Gewalt gegen Kinder“ beschrieben wird, ging 1960 problemlos als „konsequente Erziehung“ durch.
Die Texte eines Gesetzes „verändern“ sich in ihren Bedeutungen und Sinnzusammenhängen also selbst dann, wenn sie im Wortlaut unverändert bleiben. Je älter Gesetzestexte sind, desto mehr Bedeutungsunschärfen können sich ansammeln. Für das Strafgesetz (wie für jedes andere Gesetz) hat all das erhebliche Folgen: So muss der Gesetzgeber versuchen, bei der Formulierung von Vorschriften so genau zu sein, dass möglichst wenige Zweifel am Inhalt und an der Bedeutung der verwendeten Begriffe bleiben.

Thomas Fischer
Textauszug aus "Über das Strafen"
Droemer Verlag

Ende